KünstlerNiele Toroni

Niele Toroni. 13. Rubenspreis der Stadt Siegen

Ein Rückblick von Stefanie Scheit-Koppitz

In sichtlich bester Stimmung nahm Niele Toroni am 2. Juli den Rubenspreis entgegen. Musikalisch gerahmt durch die Philharmonie Südwestfalen übergab Siegens Bürgermeister Steffen Mues im Gäsersaal der Siegerlandhalle Urkunde und Plakette an den Maler. Anschließend geleitete Mues Toroni zum Eintrag ins Goldene Buch der Stadt, worauf die Laudatio von Beat Wismer, Generaldirektor Museum Kunstpalast Düsseldorf, folgte.

 

Niele Toroni und Bürgermeister Steffen Mues bei der Übergabe des 13. Rubenspreises der Stadt Siegen. - Photo: Museum
Preisverleihung 13. Rubenspreis der Stadt Siegen.
Niele Toroni mit Bürgermeister Steffen Mues, Sammlerin Barbara Lambrecht-Schadeberg und Laudator Beat Wismer - (c) Museum
Ausstellungseröffnung "Niele Toroni. 13. Rubenspreisträger der Stadt Siegen" - (c) Museum

Nach glücklich vollzogenem Festakt verlief am Nachmittag des 2. Juli die Ausstellungseröffnung im Museum für Gegenwartskunst Siegen in entspannter Atmosphäre: Ausstellungsmacher Kaspar König unterhielt das Publikum mit einer kurzweiligen Einführungsrede.

Rund fünfzig Werke zeigte die Preisträgerausstellung, fünf Interventionen hatte Toroni direkt in den Ausstellungsräumen realisiert. Dabei fiel sein Blick auf repräsentative Wandflächen und Türdurchgänge, gleichsam suchte er abseitige Stellen – eine Tapetentür, ein Fenster oder vier Pfeiler – um die Wahrnehmung auf den Ort zu lenken.

Niele Toroni, "Pinselabdrücke Nr. 50, wiederholt in regelmäßigen Abständen von 30 cm".
Ausstellungsansicht Museum für Gegenwartskunst Siegen 2017 - (c) Niele Toroni. Photo Margot Gottschling
Niele Toroni, "Pinselabdrücke Nr. 50, wiederholt in regelmäßigen Abständen von 30 cm", 1987
Ausstellungsansicht Museum für Gegenwartskunst Siegen 2017 - (c) Niele Toroni. Photo Margot Gottschling
Niele Toroni, "Pinselabdrücke Nr. 50, wiederholt in regelmäßigen Abständen von 30 cm".
Ausstellungsansicht Museum für Gegenwartskunst Siegen, 2017 - (c) Niele Toroni. Photo Thomas Kellner

Sowohl auf die Pfeiler im großen Saal als auch auf die Glasflächen des Erkerfensters setzte Toronis seine Pinselabdrücke. Die Intervention mit gelber Farbe geht über die Leinwand hinaus und bedeckt die Wände des Ausstellungsraumes.

(c) Niele Toroni. Photo Thomas Kellner
(c) Niele Toroni. Photo: Margot Gottschling

Das Malen vor Ort ist für Toroni grundsätzlich ein essentieller Bestandteil seiner Ausstellungen, seiner Kunst. Mit seinem Pinsel in Größe Nr. 50 schreibt er sich am Ort in die Architektur der Räume ein.  Er betrachtet seine Malerei als Arbeits-Malerei (travail-peinture) und sich selbst als "Wanderarbeiter", als umherreisender "Maler".

Seine Malerei zeigt stets einen ornamenthaften Rapport bestehend aus Pinselabdrücken Nr. 50, gemalt in regelmäßigen Abständen von 30 cm. Die Abdrücke, gemalt von links nach rechts und von oben nach unten, sind auf verschiedene Bildgründe aufgebracht. Toroni setzt seine Pinselabdrücke auf Leinwände, Wachstücher, Zeitungspapiere, Aluminiumplatten, die Abdrücke werden ausgerollt auf Packpapieren oder Pergament; sie reihen sich rhythmisch aneinander und besetzen Wände und Glasscheiben des Museums. Sinnigerweise beschreiben die Bildtitel stets seine Arbeitsmethode; sie lauten schlicht: "Pinselabdrücken Nr. 50, gemalt in regelmäßigen Abständen von 30 cm".

„Kein Werk ist jemals dasselbe, genauso wie kein Abdruck eines Pinsels Nr. 50 jemals derselbe ist.“

Auf die Frage, warum er nach wie vor an seiner Methode festhalte und immer dasselbe mache, entgegnet Niele Toroni stets, dass er das ja gar nicht tue. Der Pinselabdruck sei stets ein anderer, er variiere in seiner Gestalt, in seiner Begrenzung.

Jeder Pinselabdruck ist anders, jeder Abdruck erzählt von dem Kontakt des Werkzeugs mit der Bildfläche, vermittelt durch die Hand des Malers. Toronis Malerei bleibt letztlich an ihn selbst, an seinen Körper gebunden. Die Abdrücke des Werkzeuges, von ihm persönlich aufgebracht, werden zur Signatur und Geste, sie verschmelzen mit der Malerei. Seine Malerei wird, so der Künstler, mit seinem Tod verschwinden. In diesem Sinne ist Toronis Malerei konzeptuell und gleichsam in höchstem Maße konkret.

Pinselabdruck # 50 von Niele Toroni. - (c) Niele Toroni. Photo Museum
Pinselabdruck # 50 von Niele Toroni. - (c) Niele Toroni. Photo Museum
Pinselabdruck # 50 von Niele Toroni. - (c) Niele Toroni. Photo Museum

Mit dem Wandelkonzert "Eine Reihe Töne" wurde die 13. Rubenspreisausstellung verabschiedet. Zur großen Überraschung des Publikums war Niele Toroni anwesend. Er hatte sich kurzfristig von Paris auf den Weg nach Siegen begeben. Zum Programm gehörten neben Kompositionen von Stravinsky, Bueno oder Jacob auch die Uraufführung des Stückes "Cuarteto Puntual" (6') von Komponist Jesús Maria Muneta. Ein besonderer Ausklang für eine ungewöhnliche Ausstellung, von der nicht nur das "Punktequartett" überdauern wird, sondern auch die ersten Werke des Malers, die fortan zur Museumssammlung Lambrecht-Schadeberg gehören.

Stefanie Scheit-Koppitz

Mit dem Wandelkonzert "Eine Reihe Töne" wurde die 13. Rubenspreisausstellung verabschiedet. - (c) Museum

Rubenspreisträger Niele Toroni zeigte sich begeistert und dankte herzlich den Musikern der Philharmonie Südwestfalen. Zum Quartett gehören: Lea Hamm (Klarinette), Daniel Ibañez (Viola), Ji-Eun Lee (Flöte), Germán Prentki (Cello und Moderation).

Rubenspreisträger Niele Toroni dankt den Musikern der Philharmonie Südwestfalen. - (c) Museum

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