361° MuseumSammlung Lambrecht-Schadeberg

Neuerwerbungen der Sammlung Lambrecht

Spannung und Neugier auf den neusten Erwerb der Sammlung Lambrecht-Schadeberg: In gespannter Erwartung packen Direktorin Dr. Eva Schmidt und Sammlungskurator Dr. Christian Spies ein Aquarell von Maria Lassnig aus.

 

Der Weg eines Kunstwerks in ein Museum ist meist vom Zufall geprägt, erzählt Spies. Denn das Ziel der Siegener Privatsammlung liegt nicht darin, besonders viele Werke zu zeigen, sondern wichtige Phasen im Schaffen der Rubenspreisträger abbilden zu können. Folglich sucht der Kurator der Sammlung Lambrecht-Schadeberg gezielt nach Arbeiten aus bestimmten, bislang noch nicht gesammelten Werkphasen der einzelnen Künstler. Hat er eine Arbeit gefunden, die ihn überzeugt und begeistert, so schlägt er diese der Ankaufskommission vor. Verständlich, dass derart spezielle Werke auf dem Kunstmarkt nur schwer zu finden sind. So muss bei einem Ankauf ab und an der Zufall nachhelfen, damit Spies zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist.

Dem Zufall ist es nun auch zu verdanken, dass aktuell fünf Neuerwerbungen vorgestellt werden. Neben dem Aquarell von Maria Lassnig erweitert sich die Sammlung Lambrecht-Schadeberg um weitere zwei Werke von Sigmar Polke, um ein Leinwandbild von Bridget Riley sowie ein Gemälde von Niele Toroni. Zu den Neuankömmlingen hinzu zu rechnen ist eigentlich auch die große, 85 teilige Fotogruppe von Sigmar Polke, die Anlass für die Sonderausstellung „Sigmar Polke und die 1970er Jahre“ gibt und die noch bis Mitte März gezeigt wird.

Sigmar Polke, Ohne Titel (Quetta/Pakistan), 1974
Sammlung Lambrecht-Schadeberg/ Rubenspreisträger der Stadt Siegen - © The Estate of Sigmar Polke, Cologne/ VG Bild-Kunst, Bonn 2018

Besonders stolz ist die Sammlung auf die Neuerwerbung „Mehl in der Wurst“ von Sigmar Polke. Das Gemälde aus dem Jahr 1964 gehört in die Anfänge von Polkes künstlerischem Schaffen. Zusammen mit fünf Werken aus den 1960er Jahren, die schon über ein Jahrzehnt im Siegener Museum verweilen ist das Frühwerk des Künstlers nun sehr gut in der Lambrecht-Schadeberg vertreten. Die ebenfalls neu gekaufte Fotografie „Ohne Titel (Quetta, Pakistan)“ aus dem Jahr 1974 stärkt die Gattung Fotografie als wichtiges künstlerisches Experimentierfeld Polkes in den 1970er Jahren. „Quetta“ belegt sehr gut Polkes eigenwilligen Gebrauch der Fotografie sowie sein intermediäres Arbeiten. Das großformatige Werk zeigt eine Gruppe von Wasserpfeife rauchender Männer, die Polke auf seiner Pakistanreise aufgenommen hat. Nach einer experimentellen Bearbeitung in der Dunkelkammer wurde der Papierabzug mit dem Pinsel farbig bearbeitet.

Bridget Riley, Slow 2, 1971
Sammlung Lambrecht-Schadeberg / Rubenspreisträger der Stadt Siegen - (c) Bridget Riley
Niele Toroni - (c) Niele Toroni

An ein Wiedersehen erinnert die Neuerwerbung von Bridget Rileys „Slow 2“ aus dem Jahr 1971. Das farbstarke Gemälde befand sich nach einer Ausstellung in den 1970er Jahren in privatem Besitz und ist nun zum ersten Mal wieder für die Öffentlichkeit zugängig. „Slow 2“ ist für die malerische Entwicklung Rileys von großer Bedeutung, da es eine Scharnierstelle einnimmt. Das Gemälde steht zwischen ihrer bekannten, frühen Schwarz-Weiß Malerei sowie den bunten, senkrecht verlaufenden Streifenbilder der 1980er Jahre.

Der Zufall spielte eine besonders große Rolle für den Erwerb von Niele Toronis „Abdrücke eines Pinsels Nr. 50, wiederholt in regelmäßigen Abständen von 30 cm, 1976“. Toronis Werke sind selten in Galerien und Auktionen zu finden. Umso überraschender war es, dass eine Münchener Galeristin, die ein Wachstuch von Toroni in Kommission hielt, den Sammlungskurator spontan kontaktierte. Sie hatte von der Vergabe des Rubenspreises der Stadt Siegen an Toroni in der Zeitung gelesen. Der Kontakt ermöglichte es, dass nun eines der sehr seltenen frühen Wachstücher Toronis zur Sammlung Lambrecht-Schadeberg gehört.

Ein Bericht von Anna Siegemund.

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