361º MuseumAusstellung "Landschaft, die sich erinnert"

Einblicke # 2

Spurensuche

Legendär ist der Klondike-Goldrausch: Nachdem 1896 abenteuerlustige Schürfer das erste Edelmetall fanden, brach am Klondike River das Goldsucherfieber aus. Hunderttausende machten sich auf den Weg in die Stadt Dawson, im Yukon-Territorium. 2012 begab sich der belgische Künstler Danny Veys erstmals in das Grenzgebiet von Kanada und Alaska auf Spurensuche.

Seither entsteht die vielschichtige Arbeit „A guide to digging for forgers and foreigners“, die aus unterschiedlichen Medien und Materialien zusammengesetzt ist. Die freie und poetische Installation, die hauptsächlich großformatige Schwarz-Weiß-Fotografien zeigt, stellt eine ganz eigenständige, subjektive Erzählung vor. Es ist eine Erzählung darüber, was heute noch vom Mythos des Klondike-Gold Rush übrig geblieben ist und wie die einst nahezu unberührte, wilde und rauhe Landschaft sichtbar oder unsichtbar durch dieses Ereignis verändert wurde. Umgekehrt interessiert sich Veys auch dafür, wie die Landschaft die Goldsucher und der ihnen folgende Tross an Journalisten, Gewerbetreibenden und sonstigen Glücksrittern prägte.

Danny Veys, A guide to digging for forgers and foreigners, seit 2012
Installationsansicht Museum für Gegenwartskunst Siegen - © Danny Veys. Photo Christian Wickler

Danny Veys, A guide to digging for forgers and foreigners, seit 2012

Danny Veys, A guide to digging for forgers and foreigners, seit 2012
Installationsansicht Museum für Gegenwartskunst Siegen - © Danny Veys. Photo Christian Wickler

Den Ausgangspunkt der künstlerischen Arbeiten bilden ausgiebige Recherchen. Für das Projekt „A digging“ sucht Veys bis heute fortlaufend vor Ort nach Archivmaterial oder Zeitzeugenberichten. In einer Art „Feldforschung“ begibt sich der Künstler anschließend zusammen mit seinem Assistenten auf fotografische Exkursionen. Ausgerüstet mit der Kamera durchwandern sie beliebte, auch abseits liegende Schürfgebiete, betreten alte Routen und nehmen auf den Spuren der Pioniere großartige, weitläufige Landschaften in Augenschein.

Immer wieder aufs Neue beeindruckend sind die panoramaartigen Aufnahmen des steil ansteigenden, schneebedeckten Chilkoot Passes, den die Goldsucher einst schwerbepackt zu Fuß überqueren mussten.

 

“Der Pfad war uneben, schmal und rutschig. Während wir kletterten verlagerten wir unser Gewicht in Richtung Innenseite des Pfades und hielten uns an den steilen Wänden fest. Die Tatsache, dass wir diesen Weg mehrmals gehen mussten, um den Rest unserer Ausstattung zu holen, war nur schwer zu ertragen.”

(Goldsucher Ed Lung, 1897)

 

 

E. A. Hegg, Chilkoot Pass, 1898

E.A. Hegg Chilkoot Pass, 1898

Danny Veys, A guide to digging for forgers and foreigners, seit 2012 - (c) Danny Veys
Danny Veys, A guide to digging for forgers and foreigners, seit 2012 - (c) Danny Veys

Geradezu ikonisch unter den historischen Aufnahmen wirken die Schwarz-Weiß-Fotografien von Eric A. Hegg, der mit seiner Großformatkamera umfänglich den Klondike-Goldrausch dokumentierte. Mit Hegg in die neuen Gebiete kam eine große Zahl an Profi-Fotografen, die das zeitgenössische Verlangen an Bildern von diesem Jahrhundertereignis bedienten. Gleichsam, Dank der technischen Entwicklung neuer Fotokameras, entstanden viele Fotos von Amateur-Knipsern, die vielleicht noch unverstellter ein realistisches Bild zu zeichnen vermögen.

Die in der Ausstellung als vergrößerte Reproduktion gezeigte Aufnahme des Chilkoot-Passes von Hegg ist 1898 entstanden und zeigt eindrucksvoll den endlosen Treck von Abenteurern beim Beladen und Hinaufklettern der engen Pass-Passage. Für die Goldsucher des ausgehenden 19. Jahrhunderts gab es nur wenige, stets sehr mühsame und gefährliche Routen in das gelobte El Dorado. Auf das Überqueren des Gebirgspasses folgte die Kanufahrt auf dem Yukon River, dessen wilde Mäander und Stromschnellen bis heute unzählige Gefahren mit sich bringen.

In unmittelbarer Nachbarschaft zur historischen Ansicht des Chilkoot hat Veys in der Siegener Ausstellung seine ebenfalls dokumentarisch, in Schwarz-Weiß-Technik fotografierte Arbeit platziert, als Revision. Der Künstler suchte für die Aufnahme bewusst noch einmal den gleichen Standort auf. Überdies versteht Veys seine Revisiten allumfänglich. Er schlüpft quasi in die Haut seiner historischen Fotografenkollegen: Unter Verzicht auf moderne Bequemlichkeit machte auch Veys den 1067m hohen Aufstieg zu Fuß.

Darüber hinaus paddelte Veys die kompletten 3000 Kilometer auf dem Yukon River durch die kanadische Wildnis. Dabei stieß er auch auf weniger legendäre Landschaftspanoramen, wie weitere Fotografien in der Ausstellung verraten. Karge, unwirtliche, industriell ausgebeutete Landstriche und Orte zeugen von der Massenmigration, die das Goldsucherfieber mit auslöste. Die explosionsartige Zuwanderung hatte zu einer zu raschen, ersten Industriealisierung des Yukon-Territoriums geführt, die weder ein Bemühen um Landschaftsschutz noch Nachhaltigkeit kannte. Scheinbar besteht diese Haltung trotz besseren Wissens heute weiter fort.

Danny Veys vor seiner Arbeit "A guide to digging for forgers and foreigners", seit 2012 - (c) Danny Veys

Danny Veys vor seiner Arbeit "A guide to digging for forgers and foreigners". MGK Siegen, Juni 2018.

Danny Veys, A guide to digging for forgers and foreigners, seit 2012 - (c) Danny Veys
Danny Veys, A guide to digging for forgers and foreigners, seit 2012 - (c) Danny Veys

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