361° MuseumSammlung Gegenwartskunst

Becher und Börse

Briefmarken der Siegerländer Fachwerkhäuser vorgestellt

Gemeinsam mit der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur, Köln und dem Becher Estate in Düsseldorf gibt das Museum für Gegenwartskunst Siegen erstmals eine Edition mit Sonderbriefmarken heraus. Die sogenannte Portocard der Deutschen Post enthält zehn unterschiedliche Fachwerkhausmotive, die das Künstlerpaar Bernd und Hilla Becher zwischen 1959 und 1972 aufgenommen hat. Gezeigt sind zehn Giebelansichten im Baustil der riegellosen Fachwerkarchitektur, der um 1900 für die Region rund um Siegen typisch ist.

 

Erstmalig präsentiert wurden die Briefmarken auf der Südwestfalenbörse am 6. April in der Siegerlandhalle. Unsere Reporterin Kristin Scheller besuchte die Börse und berichtet.

 

Geschäftig huschen Menschen zwischen Tischen her, die voll belegt mit kleinen Schätzen sind: Briefmarken aus der DDR, außergewöhnlich geprägte Münzen, Jahrgangsbücher aus vergangenen Zeiten, Ansichtskarten mit detailverliebten Motiven und bunt schillernde Geldscheine. Die eigenen Kostbarkeiten werden getauscht, die des anderen bestaunt und hier und da werden kleine Perlen der Sammelwut verkauft. Die Südwestfalenbörse der Arbeitsgemeinschaft Südwestfälischer Briefmarkenvereine zieht allerlei Menschen an, doch geeint werden sie alle durch ihr brennendes Interesse an den Seltenheiten, mit denen die Siegerlandhalle gefüllt ist.

 

Südwestfalenbörse 2019 - (c) Photo Kristin Scheller
Südwestfalenbörse 2019 - (c) Photo Kristin Scheller
Südwestfalenbörse 2019 - (c) Photo Kristin Scheller
Südwestfalenbörse 2019 - (c) Photo Kristin Scheller
Südwestfalenbörse 2019 - (c) Photo Kristin Scheller
Südwestfalenbörse 2019 
Briefmarken Fachwerkhäuser des Siegener Industriegebietes von Bernd und Hilla Becher - (c) Photo Kristin Scheller

Auch das Museum für Gegenwartskunst Siegen hat Sammlerfreunden etwas Besonderes zu bieten: eine Portocard mit zehn Briefmarken, die Fachwerkhäuser, fotografiert von Bernd und Hilla Becher, zeigen. Die Klappkarte bietet Sonderbriefmarken, die Kunst und Sammelleidenschaft vereinen und besonders Siegerländer – Bernd Bechers Heimat und Standort der Häuser – ansprechen dürfte. Die sachlichen und präzisen Fotografien zusammen mit der besonderen Architektur der Gebäude erzeugen Bilder, die auch als Motiv für Postkarten wie gemacht sind.

Die Portocard mit 10 Briefmarken ist im Museumsshop erhältlich. Sie kostet 12 Euro.

Schon seit 1959 beschäftigt sich das Ehepaar mit Fachwerkhäusern, ihrem Skelettbau und den Arten, sie zu präsentieren – einzeln oder zusammen, mit Fokus auf dem Haus oder eingerahmt von seiner Umgebung, eine oder mehrere Ansichten. Das Museum für Gegenwartskunst Siegen besitzt gemeinsam mit der Photographischen Sammlung/SK Stiftung Kultur, Köln 146 Einzelfotografien, die in solch erstaunlicher Gleichmäßigkeit aufgenommen sind, dass die Einzigartigkeiten der Gebäude in ihrer Monotonie deutlich hervortreten.

„Wie ein Schnitt durch die Wurst“, sagt Hilla Becher über ihre Aufnahmen, die ihre konsequente Gleichförmigkeit der Aufnahmehöhe, dem Nutzen von diffusem Licht im Winter und den damaligen Siegerländer Bauvorschriften zu verdanken haben. Doch in der Anordnung der Fenster, der Gestaltung des Skeletts und ihren diversen kleinen Eigenheiten sind die Bauten außergewöhnlich und so wird dies gesondert betont. Auf den Briefmarken bekommen diese Unterschiede in der Gleichform ihre ganz eigene Wertigkeit.

Wer die limitierten Briefmarken noch weiter aufwerten will, kann sich bei dem Stand des Postamts einen Sonderstempel holen; das Motiv: das Telegraphenamt und die moderne Front des MGKs. Ersteres wird diesen Sommer 125 Jahre alt und auf diese Art wertgeschätzt. Wo könnte sich die Gelegenheit dafür besser bieten, vereint es doch schließlich die Post mit dem Museum und der Kunst. Auch das Telegraphenamt wurde als Motiv für einen Briefmarkenbogen verwendet. Sowohl die verzierte Fassade als auch der Innenraum ermöglichen träumerische, teils gar nostalgische Bilder in Pastell- oder knalligen Farben, die die Schönheit des alten Gebäudes mit den heutigen Besonderheiten – zum Beispiel der Ausstellung von „Broken Circle“ von Diana Thater – abgleichen.

Die Südwestfalenbörse sorgt so für eine Vernetzung von Interessen, die eigentlich ganz nah liegt. Ob Briefmarken, Münzen oder Kunst – irgendwo überschneidet sich all das und kreiert etwas Neues.

Südwestfalenbörse 2019 - (c) Photo Kristin Scheller