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Kunstwerk des Monats

November 2014

Vajiko Chachkhiani, "Father"

Ein leerer Stuhl. Abdrücke im Beton. In der Arbeit „Father“ des in Georgien geborenen und in Berlin lebenden Künstlers Vajiko Chachkhiani scheint etwas zu fehlen. Der Titel deutet es an: ein Vater war hier, zurück bleibt nur sein Abdruck. In einer mehrstündigen Performance saß ein Vater auf dem Stuhl, die Füße im Beton. Nach Ende der Performance verließ er den Raum, zurück bleibt die Skulptur.

Für Vajiko Chachkhiani sind sowohl Performance als auch Skulptur eigenständige Kunstwerke. Die Performance, die am Eröffnungstag der Ausstellung stattgefunden hat, faszinierte vor allem durch die Anwesenheit der Person, gefangen im Beton, nicht fähig, sich eigenständig von diesem Ort zu entfernen. Die Performance liegt in der Vergangenheit, wirkt aber auf Bildern, im Video und der Erinnerung nach.

Die Skulptur besticht durch die Abwesenheit der Person, deren Verschwinden durch die Fußabdrücke erst nachvollziehbar wird. Der leere Stuhl und die Fehlstellen im Beton lassen den verschwundenen Vater noch erahnen, man denkt ihn sogar fast mit und meint ihn zu sehen. Die Realität ohne Vater erscheint dadurch noch verstärkt. Der Vater wird durch den Beton gelähmt, er wird passiv, zu einem Objekt. Sobald er aber aus dem Beton heraus und verschwunden ist, verweist der leere Stuhl – der leere Thron – auf einen Mythos, auf ein Urbild.

Körper gegen Material, weich gegen hart, intim gegen öffentlich, gefangen gegen frei sein, Anwesenheit gegen Abwesenheit. Chachkhiani arbeitet stets mit Gegensätzen in seinen Werken. Er sagt selbst:

„Für mich entsteht ein Kunstwerk, wenn zwei gegensätzliche Elemente aufeinander treffen und so eine Haltung abbilden. Ich glaube, ein innerer Konflikt, der aus zwei gegensätzlichen Elementen entsteht, ist wichtig für ein Werk. Sie verschmelzen und bilden etwas Neues.“

Ähnliches lässt sich an Kunstwerken in der gesamten Ausstellung „Both“ von Chachkhiani feststellen. Immer wieder entstehen in den Arbeiten Spannungen zwischen Gegensätzen. Aus diesen Konflikten heraus wächst das Kunstwerk und konfrontiert uns, irritiert uns. Die Arbeit „Settle intimacy (2)“ (Raum 4) verfolgt ein ähnliches Prinzip. Zwei Stunden stand eine Frau mit ihren Haaren im Betonblock gefangen im Raum. Am Ende wurde sie durch Abschneiden der Haare befreit und hinterlässt einen Teil von sich.

Die Skulptur „Father“ kreiert zeitliche und räumliche Distanz; der Vater ist verschwunden, seine Anwesenheit liegt in der Vergangenheit, wir können ihn weder sehen noch berühren. Diese Distanz steht auch für eine geistige Fremdheit. Eine Vater-Sohn-Beziehung (hier repräsentiert durch Künstler und Performer, manifestiert in der Skulptur) ist oft auch durch Konkurrenz geprägt, durch den Konflikt der Generationen.

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