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KUNSTWERK DES MONATS

November 2011

Rupprecht Geiger, Metapher Zahl, 10 Serigraphien, 1987–89

Zehnmal strahlen den Betrachter leuchtende Farbtafeln an. Die Kontraste zwischen den einzelnen Farb-Formen lassen die Farben förmlich glühen. Feinste Farbmodulationen verraten keine Künstlerhandschrift. Unverwechselbar ist die Klarheit und Leuchtkraft der Farben in Rupprecht Geigers Werk.

Kein Künstler konzentrierte sich so stark auf die pure Farbwirkung wie Rupprecht Geiger (1908–2009), der 1992 den 8. Rubenspreis der Stadt Siegen erhielt.

Neben den leuchtenden Farben sieht man auf den Blättern einfache geometrische Formen. Gedrungene runde, ovale, rechteckige und Balkenformen lassen sich unterscheiden, die jeweils unterschiedlich miteinander kombiniert werden. Die Serie beginnt mit einem gestauchten Kreis, eine der beliebtesten Formen Geigers, die für ihn das Kraftfeld der Sonne symbolisiert. Hier wird ein grelles Rot, im Farbverlauf von unten nach oben kräftiger werdend, eingebettet in ein Meer aus Pink. Es wirkt fast schwebend. Das nächste Bild zeigt zwei Formen: ein pinkfarbenes, wiederum leicht gestauchtes Quadrat und links davon einen schmalen weißen Balken auf einem satten orangefarbenen Grund. Die folgenden Blätter sind ähnlich im Aufbau, eine kleinere wird mit einer größeren Form kombiniert. Sind es zufällige Anordnungen im Raum? Ist diese Serie wirklich so abstrakt wie sie scheinen möchte?

Rupprecht Geiger gilt als abstrakter Maler; Farbräume, Farbe als Materie, Farbkräfte sind sein Anliegen. Assoziationen sind erlaubt, oft aber schwierig angesichts der Macht, mit der die Farbe den Betrachter überfällt. Beim Abschreiten der Serie ergibt sich trotz allem ein Zusammenhang, eine Reihe zusammengehörender Formen befreit sich aus den sie umgebenden Farbseen. Plötzlich wird es klar: 10 Blätter, deren Formen man jeweils zu einer zusammenziehen muss. So ergeben sich die Ziffern von 0 bis 9.

Jede Ziffer ist logisch durchdacht und doch aufs Äußerste abstrahiert. Zahlen gehören zu  den geläufigsten unserer Kultur. Geiger erprobt hier die Einbindung dieser bekannten Symbole in seine Formensprache, die sich auf Rechtecke, Quadrate, Kreise und Ovale beschränkt. Der Tenor ist einfach: es gibt bauchige und eckige Ziffern. Die Null bleibt in ihrer Form erhalten, denn der gedrungene Kreis ist bereits in die Geigersche Formenwelt integriert. Als unendliche Form und indisches Wort für die Leere, das Nichts ist sie in hohem Maße zur Kontemplation geeignet. In dieser Serie wird ihr die, in Geigers Augen, stärkste Farbe zugeordnet: das Rot, das hier in einem pinkfarbenen Umraum schwebt. „Rot ist die Farbe mit der stärksten Potenz. (…) Rot ist Leben, Energie, Potenz, Macht, Liebe, Wärme, Kraft. (…) Schau in die glutrot untergehende Sonne, sie gibt dir Kraft für den nächsten Tag“, heißt es bei Geiger. Die weiteren Ziffern sind in jeweils unterschiedlichen Anordnungen des Geigerschen Farbspektrums gestaltet. Neben Rot verwendet er Lila, ein grünliches Gelb, Pink und Orange. Diese von Geiger bevorzugten Farben zählen für ihn zu den ‚roten‘ Farben. Warum bestimmten Farben bestimmte Zahlen zugeordnet wurden, ist nicht klar erkennbar. Möglicherweise handelt es sich um eine intuitive Bestimmung. Vielleicht spielten dabei synästhetische Phänomene eine Rolle? Synästhesie und Farbwirkung sind letztlich höchst subjektive Erlebnisse. Rupprecht Geigers Farbtafeln bieten einen überzeugenden Anlass, dies am eigenen Körper zu erproben.

(Sammlung Lambrecht-Schadeberg)

Kirsten Schwarz


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