AUSSTELLUNG & SAMMLUNG zur Übersicht »

Kunstwerk des Monats

März 2015

Lucian Freud, Quitte auf blauem Tisch, 1943-1944

Ein Zebra reckt seinen Kopf von links in den Bildraum. Das exotische Tier befindet sich in einem in Blau- und Grautönen gehaltenen Zimmer, auf dessen unaufgeräumt wirkenden Boden verschiedene Objekte scheinbar willkürlich verteilt liegen. Rechts im Bild ist ein blauer Tisch zu sehen, auf dem eine gelb leuchtende Quitte liegt. Ihr hat das Gemälde seinen Namen zu verdanken. Und dennoch ist das Zebra der Mittelpunkt des Werks.

Als Lucian Freud einundzwanzig Jahre alt ist, beginnt er die Arbeit an „Quitte auf blauem Tisch“. Er vollendet das Werk im darauffolgenden Jahr. Seine Muse und Geliebte Lorna Wishart hatte dem angehenden Maler und Enkel Sigmund Freuds den Kopf eines ausgestopften Zebras geschenkt, das ihm als Inspiration für zwei seiner frühsten Werke diente: „Das Zimmer des Malers“ (1943) und „Quitte auf blauem Tisch“. 

„Quitte auf blauem Tisch“ weist, ebenso wie „Das Zimmer des Malers“, eindeutig surrealistische Züge auf. Diese werden nicht nur durch die Absurdität des Zebras im Zimmer und die zusammenhangslos wirkenden Gegenstände am Fußboden betont, sondern auch durch den flächigen Malstil sowie die kühle und klare Farbgebung unterstrichen. Das Zebra scheint aus seinem natürlichen Lebensraum herausgeholt und in eine unaufgeräumte Küche gesetzt worden zu sein. So erinnert das Gemälde an eine surrealistische Grenzüberschreitung von Traum und Wirklichkeit. Nichtsdestotrotz betonte Freud Zeit seines Lebens, dass er nicht die Intention hatte, surrealistisch zu arbeiten. Er behauptete sogar, den Surrealismus durch künstlerische Plausibilität besiegen zu wollen. 

„Ich wollte mich in meiner Arbeit an niemand Bestimmten anlehnen. Ich wollte mir in meiner Arbeit selbst treu bleiben (…).“[1]
Lucian Freud lehnte die Zuordnung seiner Werke zum Surrealismus sowie zu anderen Stilepochen, wie der neuen Sachlichkeit, grundsätzlich ab. „Quitte auf blauem Tisch“ scheint viel mehr ein Stillleben zu sein. Ebenso wie die Quitte auf dem blauen Tisch und die anderen Gegenstände im Bild war das Zebra tatsächlich Teil Freuds Inneneinrichtung. Seine Augen lassen nur bei näherer Betrachtung erahnen, dass es sich um ein Tierpräparat handelt. 

Lorna hatte Lucian Freud nicht nur den ausgestopften Zebrakopf geschenkt, sondern auch einen toten Reiher, den sie ihm von einem Ausflug aufs Land mitbrachte. Weitere tote Tiere bekam Freud später aus der Tierhandlung. Bevor er für seine großformatigen Aktportraits berühmt wurde, schulte er seine malerischen Fähigkeiten an leblosen Modellen. Das lag zu Beginn seiner Künstlerkarriere hauptsächlich daran, dass er keine lebendigen Modelle fand, die sich ihm zur Verfügung stellten. Das Körperstudium an den toten Tieren zahlte sich aus und half ihm später, das Wesen seiner lebenden Modelle künstlerisch zu ergründen und darzustellen. Das Zebra in „Quitte auf blauem Tisch“ spielt somit eine bedeutende Rolle für die Anfänge der Malerei Freuds. 

„Quitte auf blauem Tisch“ misst bescheidene 37 mal 58,5 Zentimeter und ist eines der ersten Tierbilder Lucian Freuds. Es ist seit 2006 fester Bestandteil der Sammlung Lambrecht-Schadeberg im Museum für Gegenwartskunst Siegen, die aktuell 17 Werke des englischen Malers umfasst. Die neue Ausstellung „Lucian Freud und das Tier“ präsentiert vom 01.03.2015 bis zum 07.06.2015 circa 30 weitere Tierbilder Freuds von Leihgebern aus aller Welt. Auch das Zebra mit der leuchtend gelben Quitte nimmt hier einen prominenten Platz ein.

Janna Uhry-Ganz



[1] Zitat aus Ausst.-Kat. „Lucian Freud“, Kunsthistorisches Museum Wien, Wien 2013


Öffnungszeiten

Täglich
Donnerstag
Montag
Feiertage
Neujahr

 

11–18 Uhr
11–20 Uhr
geschlossen
11–18 Uhr
14 – 18 Uhr


Preise

Erwachsene
Ermäßigt

5.90 €
4.60 €

Alle Preise ››

Kontakt

Museum für Gegenwartskunst Siegen
Unteres Schloss 1
57072 Siegen
t 0271 405 77-10
t 0271 405 77-0
f 0271 405 77 32
info@mgk-siegen.de