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KUNSTWERK DES MONATS

März 2011

Diango Hernández, Museum der Schatten, 2009

Die Rauminstallation „Museum der Schatten“ des kubanischen Künstlers Diango Hernández (geb. 1970) war der Ausgangspunkt seiner Ausstellung „Losing You Tonight“, die im Museum für Gegenwartskunst Siegen anlässlich des ihm verliehenen Rubensförderpreises 2009 zu sehen war. Dank des finanziellen Engagements der MäZehne, einer Gruppierung innerhalb des Museumsfreundeskreises, gehört sie als Dauerleihgabe zur Sammlung des Museums.

Gedämpftes Licht empfängt den Besucher, gleichmäßige Lichtinseln auf dem Boden ziehen den Blick auf sich. Seltsame Schatten sind in ihnen erkennbar. In der Mitte des Raumes befindet sich auf einem Sockel eine kleine Statuette. Man fühlt sich an einen dunklen Kirchenraum erinnert, etwas Weihevolles geht vom streng formalen Aufbau der Installation aus. Das Licht entspringt Holzkästen, deren untere Seite offen gelassen wurde. Lediglich die von der Decke zur Kiste reichenden Kabel weisen auf eine profane Glühbirne hin, die in den Kästen verborgen ist. Die 20 Kästen stehen an drei Wänden aufgereiht auf einer umlaufenden Glasplatte. Hier liegt der Ursprung der Schatten, denn auf ihr wurden unter den Kästen Dinge abgelegt, die die nicht identifizierbaren, eigentümlichen Silhouetten erzeugen. Das Rätsel um die „Schattenspender“ lässt sich kaum lösen, es sei denn man legt sich bäuchlings unter die sehr niedrig angebrachte Glasplatte.

Auch die Statuette in der Mitte des Raumes wirft Fragen auf. Es handelt sich um einen Diskuswerfer, ein klassisches Statuenmotiv aus der antiken Tradition der Darstellung von Wettkämpfern. Dies ist jedoch keine Replik einer berühmten Statue, sondern der Entwurf einer Porzellanfigur anlässlich der Olympischen Spiele 1936 in Berlin. Der Kopf wurde geschwärzt, matt, wie gerußt, schluckt er alles Licht – eine weitere Irritation, die die poetische Schönheit des Raumes durchbricht. Der klassische weiße Sockel, auf dem die Figur in der Vitrine steht, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als zwei aufeinander gestellte, profane Stereoboxen.

 Diango Hernández wuchs im sozialistischen Kuba auf und studierte Industrie-Design in Havanna. Seit 2005 lebt und arbeitet er in Düsseldorf. Er ist nicht in erster Linie ein politischer Künstler, dennoch bestimmt das Leiden unter einer unmenschlichen Politik auf Kuba sein Werk bis heute. Persönliche Erlebnisse bilden den Hintergrund für seine Ausstellungen. Für „Losing You Tonight“ war eine Episode aus Hernández’ Schulzeit im Internat der Auslöser, die zu einer persönlichen Auseinandersetzung mit dem kubanischen Schulsystem führte. Es geht in den Werken jedoch weniger um eine klar zu erkennende Stellungnahme, sondern um Themen wie Kommunikation bzw. die Unmöglichkeit von Kommunikation.

Die Erfahrung von Dunkelheit, Furcht und Sprachlosigkeit waren Schlüsselelemente für die Gestaltung des „Museum der Schatten“. So können die nicht angeschlossenen Lautsprecherboxen ihren eigentlichen Zweck der Verbreitung von Musik und Sprache nicht erfüllen. Die zentrale Figur, die Statuette, hat ihren Kopf verloren und somit auch ihr Gesicht, ihre Individualität und damit gleichzeitig ihre Sprache. Doch stellt sich auch die Frage nach der Bedeutung dieser Figur, die für die Feierlichkeiten eines diktatorischen Regimes und ihres Körperkults geschaffen wurde.

 Alle Dinge, die Hernández für seine Installationen benutzt, sind mit Erinnerungen aufgeladen, sie haben fast symbolischen Charakter für ihn. Er erzählt Geschichten in Form von Collagen aus privaten Mythen und kollektiv Erlebtem, die ihren Ausdruck in der melancholischen Schönheit der Objekte finden und eine Fülle von Assoziationen wecken.

(Sammlung Museum für Gegenwartskunst Siegen)

Kirsten Schwarz


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