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Kunstwerk des Monats

Juni 2015

Simone Forti, Solo No 1, 1974

Im Hintergrund ein Vorhang, eine Tür. Rechts an der Wand ein Stuhl. In der Mitte des Raumes steht Simone Forti – barfuß. Wie hypnotisiert läuft sie gegen den Uhrzeigersinn in Kreisen. Nach und nach werden ihre Schritte ausfallender, sie variiert ihre Schrittgeschwindigkeit und die Größe der Kreise. Steigerung bis sie auf ihre Knie fällt und mit ihrem Körper über den Boden gleitet, wie ein Tier auf allen Vieren. Es beginnt ein Wechsel zwischen aufrechten und kriechenden Bewegungen. Immer hektischere Kopf- und Körperbewegungen werden von der Kamera zunehmend aus nächster Nähe eingefangen.

Über 18 Minuten lang interpretiert Simone Forti, geboren 1935 und heute in Vermont lebend,  in „Solo No.1“ tänzerisch verschiedene Tierbewegungen.

„Ich habe sehr viel Zeit im Zoo verbracht. Ich fand mich regelrecht in einem Zustand der passiven Identifikation mit den Tieren wieder. Man könnte sagen, dass ich anthropomorphisiert habe“[1], so Forti.

Komplexe Bewegungsabläufe, z. B. die Flamingo-Haltung oder das auf-allen-Vieren-Laufen eines Affen, werden von Forti in „Solo No.1“ in intensivster Weise ausgeführt. Auf einem Bein stehend, den Kopf unter dem Arm in absolutem Gleichgewicht, ahmt Forti in ihrer frühen wichtigen Tanz-Performance beispielsweise detailgetreu die Bewegungen eines Flamingos nach.

Bereits Ende der 1960er-Jahre faszinierte Forti, die damals in Rom in der Nähe des Zoos lebte, das Bewegungsverhalten von Tieren und dessen mögliche Verwendung innerhalb einer Choreografie. Vor allem interessierte es sie, instinktgeleitete Verhaltensweisen der Zootiere in ihre tänzerische Arbeit zu integrieren.[2] In ihrer Arbeit „Solo No. 1“ lässt Forti nun viele ihrer über die Jahre gemachten Beobachtungen zusammenfließen und stellt zahlreiche animalische Bewegungen und Verhaltensmuster dar.

Nachhaltig geprägt wurden Fortis Arbeiten von Tänzerin und Choreografin Anna Halprin, geboren 1920, bei der Forti in den 1950-er Jahren den „San Francisco Dancers‘ Workshop“ besuchte. So ist auch die Grund-Bewegung in „Solo No.1“, das stetige Im-Kreis-Laufen, zurückzuführen auf Halprins Verständnis von Tanz und Bewegung. Mal schnell mit kleinen Schritten, dann wieder langsam auf dem Boden kriechend. Dieses Element bildet die Basis vieler Arbeiten Fortis. Ihr ständiges Kreisen, so Forti, sei vielleicht eine natürliche Auflösung zwischen dem Wunsch sich stetig weiter anzutreiben und der Realität, in einem eingegrenzten Raum arbeiten zu müssen.[3]

„Solo No. 1“ ist das erste Werk Fortis, das mit einer Videokamera aufgezeichnet wurde, wodurch die Wahrnehmung der Performance zu einem gewissen Grad gelenkt und verändert wird. Ist die Kameraführung zu Beginn der Performance noch statisch und ruhig, wird sie mit zunehmender Intensität des Stückes schneller und hektischer. Es entsteht der Eindruck eines interaktiven Tanzes zwischen Kamera und Tänzerin.

1935 in Florenz geboren, gilt die US-amerikanische Künstlerin Simone Forti als Pionierin des Minimalismus im Tanz. Sich selbst bezeichnet sie oft als „Bewegungskünstlerin“. Ihr Ziel ist es, die Welt mit dem Körper wahrzunehmen –mit dem Körper zu denken. Tanz ist bei ihr im strengen Sinne keine Choreographie, sondern eine Studie körperlicher Zustände innerhalb von Bewegungsprozessen.[4]

Vor allem in den 1960er und 1970er Jahren lebte und arbeitete Forti in einem vor Kreativität übersprudelnden Umfeld in New York, Los Angeles und Rom, veranstaltete Happenings und Performances u.a. zusammen mit Künstlern und Musikern wie Allan Kaprow, John Cage oder Yoko Ono. Zu ihren bekanntesten Performances gehören die „Dance Constructions“ von 1960/61, die radikal neue Tänze hervorbrachten. Forti arbeitet auch als Malerin, Schriftstellerin und Choreografin.                                                                      

 

Franziska Wekenborg



[1] Simone Forti, in: Simone Forti, Handbook of Motion, Hooksmett 1974, S. 47. (Übersetzt von Autorin)

[2] Vgl. Peter Reh, „Körperintelligenz. Simone Forti, Solo No.1“ in: Tanzen, Sehen. Ausstellungskatalog Museum für Gegenwartskunst Siegen, Frankfurt am Main 2007, S. 92.

[3] Vgl. Anmerkung 1, S. 136.

[4] Vgl. Anmerkung 2,  S. 89.

 


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