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Composition with Circles 8, 2012

Juli 2012

Bridget Riley, Composition with Circles 8, 2012

„Man betrachtet Rileys Wandzeichnung Composition with Circles nicht, man schaut ihr zu.“

Dieses Zitat des britischen Kunstkritikers Adrian Searle beschreibt eindrücklich die Wirkung der Wandzeichnungen Composition with Circles, von denen bisher sieben verschiedene Ausführungen entstanden. Für das Museum für Gegenwartskunst in Siegen entwickelte Bridget Riley eine neue Gestaltung des Themas auf einer 16 m langen Wand.

Eine Vielzahl der 97 cm im Durchmesser großen Kreise bilden verschiedene Formen. Bögen, Kurven, Ellipsen und Halbkreise schweben in scheinbar ungeordneten Bahnen. Eine systematische Anordnung der sich überschneidenden Kreise scheint nicht vorzuliegen. Doch treten solche Überlegungen beim Betrachten der Arbeit schnell in den Hintergrund, denn man wird ohne das Ganze erfassen zu können in das Wandbild hineingezogen. Die scheinbar einfache, flache Komposition schlichter Kreise beginnt sich zu bewegen und nimmt das gesamte Gesichtsfeld ein. Der Blick wird angezogen und sofort weitergezogen, von Form zu Form. Man folgt mit dem Auge den schlangenförmigen Bewegungen und wellenförmigen Rhythmen. Plötzlich bemerkt man ein Schillern und Flirren, welches aus der Zeichnung selbst nicht zu erklären ist, sondern aus der Wahrnehmung des Auges selbst. An den Schnittstellen der Kreise wird der Kontrast so betont, dass man ein Flimmern wahrnimmt. Der Akt des Sehens selbst wird bewusst gemacht.

Bridget Riley wollte in ihren seit 1998 entstandenen Composition with Circles ein lineares Element in eine neue räumliche Struktur überführen. Das Bedürfnis, sich mit Rundformen zu beschäftigen, und das Interesse am tiefen, aber nicht illusionistischen Raum führten zur Entstehung der Wandbilder mit sich überlagernden Kreisen. Zur Verwirrung des Auges tragen auch die unterschiedlichen und untereinander wechselnden Höhenlagen der Kreise bei. Erkennt man in der Horizontalen noch gleiche Höhen, auf denen die Kreise in Reihen angeordnet sind, so wird in der vertikalen Überlagerung deutlich, dass die Kreise ohne System übereinander schweben. Drei oder vier Kreise bilden direkt übereinandergereiht eine Art Stele, dann bemerkt man einen Zwischenraum, der die Reihe durchbricht. Unterschiedlich dichte Überlagerungen lassen unterschiedlich viele Segmente in einem Kreis erscheinen, teilweise bis zur Auflösung des ursprünglichen Kreises. So erscheint vor dem Auge des Betrachters ein Drunter und Drüber, ein Davor und Dahinter, eine Komposition also, die trotz einer klaren Grundform das menschliche Auge in einen Zustand der Verwirrung bringt. Die aktive Sinneswahrnehmung führt zu einem nicht fokussierbaren Bildraum von scheinbar unendlicher Weite.

„Es (Das Auge) sollte sich geschmeichelt und besänftigt fühlen, Reibungen und Brüche erfahren, gleiten und wandern dürfen. Der Blick kann angehalten, er kann aus der Bahn geworfen oder auch zurückgeholt werden, um sich erneut frei zu bewegen. Er trifft auf Spiegelungen, Echos und flüchtige Reize die verpuffen, wenn man sie aufspürt. Einen Augenblick lang sieht man nichts, und in der nächsten Sekunde scheint sich die Leinwand plötzlich wieder zu füllen, von visuellen Ereignissen zu strotzen.“ (Bridget Riley, 1984)

Im Gegensatz zu den bisherigen Wandbildern der Serie wirkt die Composition with Circles 8 etwas lichter, hier wurden weniger Überlagerungen vorgenommen. So entsteht eher der Eindruck schwebender Seifenblasen, während frühere Werke einen floralen, ornamentalen und schwereren Eindruck vermitteln. Alle Werke Bridget Rileys entstanden aus der intensiven Beschäftigung mit den vorangegangenen Bildern einer Werkgruppe, jedes wird einer genauen Analyse unterzogen, die Schlüsse im neuen Bild verarbeitet. So werden immer neue Seh-Erlebnisse innerhalb einer Werkgruppe aus der Neuordnung gleicher Formen gewonnen.

Bridget Riley entwirft ihre Bilder, lässt sie aber größtenteils von ihren Assistenten anfertigen. Die persönliche Handschrift eines Künstlers ist für ihre Art der Kunst unerheblich. Die Perfektion der Malerei ist Voraussetzung für die optische Wirkung ihrer Werke, Künstler mit einer ruhigen Hand bilden daher ihr Assistenten-Team. Generell fertigt Bridget Riley für ihre Wandbilder eine Reihe von Skizzen an, die sich dem Thema des Bildes langsam annähern. Für die Composition with Circles teilte sie die Wand in Quadrate ein. In Siegen waren es 32 in der Horizontalen und 9 in der Vertikalen, in je vier Quadrate fügt sich ein Kreis. Innerhalb dieses Rasters werden die Kreisfiguren mit Hilfe eines Zirkels aufgetragen. Eine fertige Anordnung erhält dann das Assistenten-Team und malt unter Zuhilfenahme von Schablonen die eigentliche Wandzeichnung.

Kirsten Schwarz



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