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Kunstwerk des Monats

Dezember 2015

Emil Schumacher, Barbaros, 1957

„Barbaros“ – Barbarisch, fremd, wild, roh, … ohne Regeln, ohne Form. Die Palette der Begriffe, die das Wort des Titels umschreiben, fasst gleichermaßen die Charakteristik des Bildes. Die abstrakte Darstellung von Linien, Flächen und Farben scheint jeder bekannten Form entrissen.

 

Trotz scheinbarer Gegenstandslosigkeit lassen sich entfremdete Gebilde erkennen: Ein Haus links vom Zentrum des Bildes, darunter ein halbes Rad und dominierend eine runde Form ähnlich einer Spinne oder Sonne. Oder ist es doch etwas ganz anderes? Gewissheit über das Dargestellte erlangen wir als Betrachter nicht. Ohne Zweifel können wir dagegen geschwungene unterbrochene Linien sehen, die durch den farbigen Kontrast von gebrochenem schmutzigen Weiß und klarem Schwarz in einem stetigen Kampf zueinander zu stehen scheinen. Der Malduktus ist deutlich erkennbar. Diese Linien unterbrechen wiederum die darunter liegende Farbschicht. Eine weitläufige orange Fläche wird zum hellen Bildrand hin durch dunkelbraune freiförmige Farbspritzer abgegrenzt. Es entsteht der Eindruck, als ob Emil Schumacher durch das Auftragen der Farben ein Loch in das Material des Bildes arbeiten wollte.

„Ich gehe gegen das Bild an, wie ich gegen eine Mauer angehe, um eine Lücke zu finden, durch welche ich hindurch kann, um hinter das Unbekannte der Grenze zu kommen.“ [1] Um den Widerstand zu brechen, so sagt der Künstler, bedarf es der Zerstörung. [2] In dieser liegt ein Schaffungsprozess, dessen Dynamik und Verlauf im statischen Bild sichtbar bleibt; sichtbar im Malduktus Schumachers.

Trotz seiner flächigen Malerei schafft der Künstler auf diese Weise eine neue Art von Räumlichkeit. Die Farbe ist nicht mehr nur das Material zur Darstellung von Gegenständen, sie ist der Gegenstand selbst. Durch die erdigen und natürlichen Töne in Verbindung mit der gleichfalls erdigen Haptik des Farbauftrages entsteht eine Landschaft, die als Vorbild die Natur selbst hat. Schumacher formt mit seinem Werk „Barbaros“ eine zweite Natur, sodass wir als Betrachter die Lebendigkeit fühlen und den Prozess des Entstehens miterleben können. Werner Schmalenbach sagt zu Schumachers Bildern, dass eine starke Assoziationen zu „Erdkrusten und Sandflächen, Kratern und Schlacken, Schluchten, Furchen, Schründen und Rinnsalen“ [3] besteht. Schumacher selbst äußert: „Meine Malerei ist nicht ‚gegenstandslos‘. Im Gegenteil, es gibt eine Fülle von Gegenständen in meinen Bildern, eine Fülle von Welt.“ [4]

Andrea Langer

 

[1] Zitiert nach Emil Schumacher: „Ich habe kein Rezept“ (1960), in: E.-G. Güse (Hrsg.): Emil Schumacher. Leben in der Malerei. Gespräche und Texte, Ostfildern 2008, S.29.

[2] Vgl. Emil Schumacher: Ein Buch mit sieben Siegeln, Heidelberg 1972.

[3] Zitiert nach Schmalenbach, Werner: Emil Schumacher, Köln 1981, S. 65.

[4] Zitiert nach Klant, Michael; Zuschlag, Christoph: Emil Schumacher im Gespräch. „Der Erde näher als den Sternen“. Stuttgart 1992, S. 55.


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