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Kunstwerk des Monats

August 2014

Yin Xiuzhen, "Portable City: Madrid”, 2012

Dieses Kunstwerk war in der Ausstellung „Was Modelle können“ (29.6.-12.10.2014) im Museum für Gegenwartskunst Siegen ausgestellt. Acht kurze Einblicke:


Eine Miniatur-Stadt im Koffer. Es ist jedoch kein gewöhnliches Stadtmodell. Alle Bauten sind aus Stoffen genäht, genauer: aus gebrauchten Kleidungsstücken, wie die eingearbeiteten Wäscheetiketten verraten. Ein Tonband liefert die Geräuschkulisse einer Stadt.

 „Portable City: Madrid“ – Tragbare Stadt: Madrid“ hat die chinesische Künstlerin Yin Xiuzhen ihre Arbeit genannt. Häuser und Fernsehturm erinnern an tatsächlich gebaute Architekturen in der spanischen Hauptstadt. Besonders sticht der Torre España, der 231 Meter hohe Fernsehturm heraus, entworfen vom Architekten Emilio Fernández Martín de Velasco. Die vielen auffälligen Parabolantennen sind durch glänzende Knöpfe dargestellt.

 

Gezeigt wird jedoch kein exaktes architektonisches Stadtmodell, noch sind die geschneiderten Bauten besonders konkret. Realismus ist für die Künstlerin nicht in Bezug auf die Architektur entscheidend, nur hinsichtlich des tatsächlich Erlebten: „Der reale Ort existiert ja immer nur, so lange der Mensch dort ist, in der Erinnerung ist er geprägt von den Erlebnissen, die man dort hatte.“

 Auch die Stoffe, aus denen die gezeigten Gebäude bestehen, sind Erinnerungsträger. Sie stammen ohne Ausnahme von Menschen aus Madrid. Die Künstlerin hat sie gesammelt und anschließend verarbeitet. 

 Yin Xiuzhen hat alle Details selbst entworfen und genäht. Sie möchte damit auf das künstlerische Handwerk verweisen, zu dessen Ausübung Können und Präzision wichtig sind – dies im Kontrast zur industriellen Massenproduktion, die unseren Alltag bestimmt. Mittlerweile gibt es 24 Stadtmodelle, die Reihe setzt sich fort. Auch die übrigen Städte im Koffer wurden in mühevoller Handarbeit gefertigt, beispielsweise „Portable City: Peking“, die erste Arbeit der Serie, die ihre Geburtsstadt zeigt.

 Die Inspiration für ihre Koffer-Arbeiten kam Yin Xiuzhen in den 1990er Jahren in einem Flughafengebäude, vor den Gepäckbändern. Als Künstlerin ist sie ständig unterwegs, reist rund um die Welt, von Ausstellungsort zu Ausstellungsort, an dem ihre Kunst gezeigt wird. Wieder einmal am Flughafen wartend, sah sie die vielen Koffer und stellte sich vor, jeder sei ein kleines, zusammengeschrumpftes Zuhause und somit ein Abbild des globalisierten Lebens.

Die Ar­bei­ten von Yin Xiuzhen sind trotz ihrer poetischen Erscheinung auch als ein kri­ti­scher Kom­men­tar zu le­sen. Die globale Mobilität, angesprochen in den tragbaren Stadtmodellen, stillt nicht nur Sehnsüchte, sie erzeugt auch Ängste. Die Hochgeschwindigkeitsurbanisierung, die sich insbesondere in den asiatischen Ländern vollzieht, setzt – wie wir nur allzu gut wissen – auch viele negative Prozesse in Gang.

Yin Xiuzhen gilt als eine der wichtigsten zeitgenössischen Künstlerinnen Chinas. Sie wurde 1963 in Peking geboren und lebt und arbeitet dort. In Deutschland wurde sie unter anderem durch eine große Einzelausstellung in der Düsseldorfer Kunsthalle bekannt. Hier waren auch einige ihrer raum­grei­fen­den In­stal­la­tio­nen so­wie mo­nu­men­ta­len, be­geh­ba­ren Tex­til­skulp­tu­ren zu sehen, mit denen sie international bekannt wurde. 

 

 


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Preise

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