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Kunstwerk des Monats

August 2012

Lucian Freud, 3 Radierungen: Garden in Winter (1997-1999), Head of a naked Girl (2000), Four Figures (1991)

Der im letzten Sommer im Alter von 88 Jahren verstorbene britische Maler Lucian Freud ist uns als schonungsloser Porträtist und Meister der Farbe bekannt. Die Sammlung Lambrecht-Schadeberg besitzt auch fünf Radierungen.

„Ich habe eine starke autobiografische Neigung. Meine Arbeit ist gänzlich über mich und meine Umgebung.“ (Lucian Freud)

Freud, der 1997 den 9. Rubenspreis der Stadt Siegen erhielt, modellierte mittels einer tonigen, geradezu fahlen Farbpalette die Haut und das Fleisch seiner Modelle auf der Leinwand. In der Betonung der vergänglichen Körperlichkeit führt er dem Betrachter das Wesen der Dargestellten mit den Möglichkeiten der Malerei vor Augen. Weniger überwältigend, aber genauso intensiv sind die Motive seiner Grafiken, die oft in direktem Verhältnis zu ausgeführten Gemälden stehen.

Die Siegener Privatsammlung Lambrecht-Schadeberg besitzt fünf Radierungen, drei davon sind derzeit ausgestellt, darunter eine Figurenstudie, eine Landschaft und ein Porträt. Jedes ist sehr verschieden von den anderen und jedes ist auch in sich eine Besonderheit. Kurz vorgestellt wird hier die größere Figurenstudie:

Four Figures (1991) zeigt eine lose Gruppe von vier Figuren; während drei Personen sofort ins Auge fallen, fällt die vierte erst beim zweiten Blick auf. Es ist das Baby, das die mittlere Frau im Schoß hält. Die Figuren scheinen zunächst keinen Bezug zueinander zu haben, sie finden sich eher zufällig auf demselben Blatt ein. Aber durch die Blickrichtungen werden Beziehungen geknüpft. Mutter und Kind schauen sich an; die kleine geschlossene Gruppe wird um die männliche Person rechts erweitert. Der Fuß des Kindes scheint ihn anzutippen, woraufhin er den Blick auf die strampelnden Beine richtet. Die liegende Person ist nackt und befindet sich nicht auf derselben Ebene wie die sitzenden Personen. Dennoch geht ihr Blick nach vorne, zu den anderen Figuren. Generell wird jede Andeutung auf einen realen Raum vermieden, einzig der sitzende Mann wirft eine Art Schatten. Sie sind wie aus dem Raum herausgelöst und zu einer Essenz ihres momentanen Seins destilliert.

In den 1980er Jahren entdeckt Freud die Technik der Radierung für sich und gibt das Zeichnen auf Papier zugunsten des direkten Zeichnens auf der Druckplatte auf. Er meinte, damit seinen Radierungen eine gewisse Dringlichkeit zu verleihen. Freud hatte keinen visuellen Code, er ging an jedes Bild mit einem anderen Blick heran, der der Individualität seines Modells geschuldet war. Generell zeigen alle Arbeiten des Künstlers Aspekte aus seinem Leben. In Interviews erläuterte Freud stets, eine stark autobiografische Neigung zu haben. Er erklärte, dass jedes Werk von ihm und seiner Umgebung handle. So könnte es sich bei Four Figures um eine Ateliersituation handeln; das nackte Modell liegt bereits in Pose, während Besucher Freuds oder vielleicht die Familie sich im Atelier aufhalten. Die männliche Figur rechts könnte Freud selbst darstellen, worauf der hohe Haaransatz und die markante Physiognomie hindeuten. Bei dem liegende Modell handelt es sich wohl um den Performancekünstler Leigh Bowery (1961-1994) und bei der Frau mit Baby um Bella Freud (geb. 1961), die Tochter des Künstlers, mit Sohn Jimmy. Beide wurden oft von Lucian Freud porträtiert. (Bella Freud, die in England eine bekannte Modedesignerin ist, nahm übrigens 1997 in Siegen den Rubenspreis stellvertretend für ihren Vater entgegen).

Lucian Freuds Radierungen zeigen nicht zuletzt, dass der Künstler nicht nur ein Meister der Farbe war, sondern sich Zeit seines Lebens immer neuen Möglichkeiten und Herausforderungen stellte und neue Facetten in seinem Schaffen entwickelte.

Ines Rüttinger

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