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Kunstwerk des Monats

Mai 2016

Andrea Robbins & Max Becher, Black Cowboys, 2015

Schwarze Männer, die stolz auf ihren Pferden sitzen, sich waghalsig auf Bullen stürzen und sie an den Hörnern zu Boden ziehen. Familien, die gemeinsam den Tag verbringen oder ganze Gesellschaften, die zusammen ausreiten. Zu sehen sind diese Szenen in der Fotostrecke „Black Cowboys“ der New Yorker Künstler Andrea Robbins & Max Becher.

Diese Serie steht im Fokus der Ausstellung „Verlagerungen“ im Museum für Gegenwartskunst Siegen. Seit nun mehr acht Jahren fotografieren Robbins & Becher diese, zumeist unbekannte Kultur. Zu sehen sind schwarze Cowboys ob jung oder alt.  In der Gruppe „Trail Rides“ ziehen sie gemeinsam durch die Felder und Städte der Umgebung. Die familiäre Atmosphäre lässt sich auch in der Werkgruppe „Relaxing“ (Entspannung) erkennen, da die Treffen der Cowboys ein Zusammenkommen der ganzen Familie sind. Hingegen ist das „Bull Dogging“ (Bullenringen) und „Bull Riding“ (Bullen Reiten) eine reine Männerangelegenheit.

Obwohl der Anteil schwarzer Cowboys im 19. Jahrhundert, zur Blütezeit der Viehzucht, fast ein Drittel betrug, kennt heutzutage kaum jemand diese Kultur. „Es ist ein großes Phänomen in Amerika, jedoch ist es auch dort nicht sehr bekannt“[1], erläuterte Max Becher in einem Radiointerview zur Ausstellung 2016.  Der Mythos des weißen Cowboys, bekannt aus amerikanischen Western-Filmen, ist in unseren Köpfen fest verankert. Die schwarzen Cowboys, ohne den obligatorischen Cowboy Hut, hingegen mit Baseball-Kappe, Soul und Hip-Hop Einfluss, erinnern nicht direkt an das übliche Bild eines Cowboys. Jedoch besteht diese Kultur ebenso lange wie die des weißen Cowboys und die Fotografien spiegeln somit ebenso eine Realität der Cowboy Kultur wieder. Der Name Cowboy (‚Kuhjunge‘) stammt von Berufen aus Sklavenplantagen, auf denen ein Großteil der schwarzen Bevölkerung gearbeitet hat. Nach Abschaffung der Rassentrennung entschieden sich viele der nun freien Bürger für den harten aber angesehenen Beruf des Cowboys. Doch auch nach dieser Befreiung blieben die schwarzen Cowboys abgeschottet von den Weißen.

Dadurch entwickelte sich eine eigene Kultur der schwarzen Cowboys, bis hin zu eigenen Rodeo Wettkämpfen, da die schwarzen Cowboys durch jahrzehntelange Rassendiskriminierung vom Rodeo der Weißen ausgeschlossen oder unterdrückt wurden. Schwarze Cowboys treffen sich über das gesamte Jahr verteilt zu Rodeo Wettkämpfen, gemeinsamen Ausritten oder weitergehend zu Wohltätigkeitsveranstaltungen. Die Kultur entwickelte sich auf der Basis des Rodeo-Reitens weiter, sodass es schließlich zu einer Familienangelegenheit wurde, bei der man Erfahrungen austauscht und sie an jüngere Generationen weiterreicht.

Für das Künstlerpaar Robbins & Becher ist es sehr wichtig, nicht als Dokumentarfotografen gesehen zu werden, sie setzen sich mit den Menschen und deren Situation auseinander. Im Fall der Serie „Black Cowboys“, begleiteten sie die Cowboys und ihre Familien über Jahre, führten Interviews, begleiteten sie bei Veranstaltungen, nahmen teil am Leben der Cowboys. Während der achtjährigen Entstehungszeit der Serie, wurden 20.000 Fotos gemacht, wovon 500 brauchbar sind, so Max Becher.[2] Davon haben es letztendlich ca. 40 in die Ausstellung geschafft.

Ihre künstlerische Aufgabe sehen Robbins & Becher darin, Geschichte mit einem politischen Anspruch zu schreiben, welchen sie durch Ihre Kunst in die Öffentlichkeit tragen und den Menschen sichtbar machen wollen. Zumindest gilt dies für die Fotogruppe „Black Cowboys“. Generell verstehen die Künstler ihre Position als ein Sichtbarmachen von „Verlagerungen“:

 „Das traditionelle Verständnis des Ortes, an dem Kultur und geografische Lage sauber übereinstimmen, wird durch die Vermächtnisse von Sklaverei, Kolonialismus, Holocaust, Immigration, Tourismus und Massenkommunikaton in Frage gestellt. Ob es um Deutschland in Afrika, Deutsche die sich als Native Americans verkleiden, amerikanische Städte die sich als Deutschland verkleiden, New York in Las Vegas, New York in Kuba oder Kuba im Exil geht, unser Interesse gilt einem Platz, der sozusagen fehl am Platz ist, mit allen Ursachen und Konsequenzen.“[3]

Anna Siegemund



[1] Max Becher im Gespräch mit WDR Redakteur Raoul Mörchen, gesendet in Mosaik am Samstag, WDR 3, am 19.03.2016.
[2] Ebd.
[3] Andrea Robbins and Max Becher, „Andrea Robbins and Max Becher: German Indians at Bernard Toales Gallery,“ Tema Celeste (January – February, 2005): 81. (Robbins and Becher 2005)

 

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