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Kunstwerk des Monats

April 2015

Lucian Freud, Guy and Speck, 1980-81

„In Lucian Freuds Studien wird der Hund in seiner Beziehung zum Menschen definiert. (…) Das Gemalte soll wie das reale Modell wirken, der Hund in seiner Präsenz ist körperlich wahrgenommen". 

Das Gemälde „Guy and Speck" (1980-81) zeigt einen Mann im Anzug, der auf einem Sofa sitzt und einen Jack Russel Terrier auf dem Schoß hat. Statussymbole, wie der Anzug und der deutlich erkennbare Siegelring an der linken Hand des Mannes strahlen zusammen mit seinem reservierten Blick eine gewisse Unnahbarkeit aus. Die große linke Hand des Porträtierten hält den Terrier fest; der Griff wirkt zugleich liebevoll und bestimmt, während der Hund die Lefzen hochzieht und eher skeptisch aus dem Bild herausschaut.

Der britische Maler Lucian Freud verkehrte in sehr unterschiedlichen gesellschaftlichen Milieus. Seine Modelle entstammten seinem unmittelbaren Umfeld: Freud malte häufig Familienmitglieder aber auch verschiedenste Freunde und Bekannte. So war auch Guy Hart ein Freund des Malers. Freud lernte den ehemaligen Jockey, Buchmacher und Antiquitätenhändler über die gemeinsame Leidenschaft für Pferdewetten kennen. Er kündigte Guy an, ihn eines Tages malen zu wollen, jedoch erst, wenn der Buchmacher älter sei.

So vergingen zehn Jahre bis zum ersten Porträt Guys. Dennoch blieb es nicht bei nur einem Gemälde mit Guy als Motiv und auch Hund Speck sollte Freud mehrmals als Modell dienen. Das Gemälde „Head of a Man" (1968), welches Bestandteil der Sammlung Lambrecht-Schadeberg ist, zeigt ebenfalls Guy Hart. Es ist 13 Jahre älter als das Doppelporträt „Guy and Speck". Dies lässt darauf schließen, dass der Maler und der Buchmacher bei der Entstehung von „Guy and Speck“ schon mehr als zwanzig Jahre befreundet waren.

Beim Betrachten von „Guy and Speck" stellt sich die Frage nach der Beziehung zwischen Mann und Hund. Dient der Jack Russel Terrier seinem Herrn als Schoßhund, als Statussymbol oder ist er sein bester Freund? Lucian Freud schenkte seinen tierischen Modellen die gleiche Aufmerksamkeit wie den Menschen, die er malte. Seine Modelle waren häufig unbekleidet, was dem Maler half, sie auf eine sehr natürliche Art und Weise auf die Leinwand zu bringen. So wirken Mensch und Tier in Lucian Freuds Werk meist ebenbürtig.

Doch „Guy and Speck" erschwert dem Betrachter die Einschätzung des Verhältnisses zwischen dem ganovenhaft aussehenden Mann und seinem misstrauisch schauenden Hund dadurch, dass beide sehr unterschiedlich dargestellt sind. Die Darstellung von Guys Händen sowie seinem Gesicht unterscheiden sich deutlich von dem bekleideten Körper. Die Sorgfalt der gemalten Haut ist der Detailliertheit des Körpers Specks gleichzusetzen. Es wird deutlich, dass Freuds Interesse dem Fleisch und seinen Begebenheiten galt.

Während die natürlichen Reaktionen und Instinkte des Hundes zwar unterdrückt scheinen, jedoch trotzdem deutlich spürbar sind, wirkt es, als solle Guys Natürlichkeit verborgen bleiben. Die Unnahbarkeit des Mannes wird von seinen Kleidern und seinem Schmuck verstärkt: die Kreatürlichkeit und das Wesen des „angezogenen Tiers", wie Freud seine bekleideten menschlichen Modelle nannte, bleiben hinter der Fassade seiner Kleidung und somit für den Betrachter unsichtbar. Auch auf weiteren Porträts Guys bleibt dieser stets angezogen. Es scheint, als deute die Distanziertheit beider Modelle in „Guy and Speck" an, dass weder sein langjähriger Freund Guy, noch dessen Terrier, dem Maler vollständig vertrauten.

Lucian Freud gilt als einer der bedeutendsten Porträtmaler des späten 20. Jahrhunderts. Seine Bilder sind vor allem für die drastische Darstellung nackter Haut und den schonungslosen Blick des Malers bekannt. Freud wurde in mehreren Retrospektiven für sein Werk geehrt, unter anderem in der Tate Gallery London (2002) sowie im Centre Pompidou in Paris (2010). Er starb 2011 im Alter von 88 Jahren in London.

 

Janna Uhry-Ganz

 

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