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Broken Circle/Spiral Hill (Earthwork) & BREAKING GROUND: Broken Circle/Spiral Hill (Film)

April 2012

Robert Smithson, Broken Circle/Spiral Hill (Earthwork) & BREAKING GROUND: Broken Circle/Spiral Hill (Film)

Im Juni 1971 war Robert Smithson eingeladen, an der Ausstellung Sonsbeek buiten de perken im holländischen Emmen teilzunehmen. Während eines kurzen Aufenthalts vor Ort fand er einen geeigneten Standort für sein Projekt, entwickelte zeichnerisch verschiedene Konzepte für Skulpturen in situ und realisierte die raumgreifende, zweiteilige Landschaftsarbeit Broken Circle/Spiral Hill. Parallel zum "Earthwork" plante er einen Film und begann gemeinsam mit seiner Frau, der Künstlerin Nancy Holt, mit Aufnahmen.

Ursprünglich war Smithson gebeten worden, ein Kunstwerk im Park Sonsbeek zu errichten. Er weigerte sich jedoch, eine Arbeit in einem gestalteten Parkgelände zu realisieren, denn „Parks sind fertige Landschaften für fertige Kunst“. Sein Kunstkonzept war wesentlich radikaler und bezog sich auf Projekte, die an einen konkreten Ort und dessen Landschaft, Kultur- und Wirtschaftsgeschichte gebunden waren. Nachdem er verschiedene mögliche Standorte in einem Moorgebiet südöstlich von Emmen in Betracht gezogen hatte, die ihn aufgrund der besonderen geologischen Gegebenheiten reizten, entschied sich der Künstler für eine Sandgrube am Stadtrand. Die auf einer Endmoräne gelegene Landschaft vereinte verschiedene, für Smithson inhaltlich und ästhetisch attraktive Materialien – das türkisfarbene Wasser des Sees, verschiedenfarbiger Sand, dunkle Erde sowie Findlinge in unterschiedlichen Größen. Smithson machte sich die Qualität der disparaten Landschaft und die malerische Wirkung der Materialien zunutze. Außerdem war dieser Standort geradezu ideal für die Realisierung einer Arbeit im Sinne seiner Idee der ‚Land Reclamationʻ, „einer seitens des Künstlers vollzogenen Neubestimmung und Neuentwicklung von Gebieten, die durch industrielle oder andere Verwendungszwecke des Menschen degradiert worden sind.“ Kunst sollte im Sinne Smithsons als Ressource genutzt werden, um zwischen Industrie und Ökologie zu vermitteln.

Smithson begann zunächst mit der Ausführung des Broken Circle. Hierfür wurde ein bereits bestehendes Sandplateau längs des Ufers partiell abgetragen. Stark beeindruckt von der holländischen Flutkatastrophe von 1953 bezog Smithson beim Bau des aufgebrochenen Kreises verschiedene Deichdurchbrüche mit ein, die er parallel auch filmte. Den großen Findling in der Mitte des Kreises wollte der Künstler ursprünglich außerhalb des Broken Circles platzieren, was sich aufgrund der Größe und des Gewichtes jedoch als unmöglich herausstellte. Für Spiral Hill wurde ein bereits bestehender Sandhügel aufgeschüttet. Dieser wurde mit schwarzer Erde bedeckt, der Spiralweg mit weißem Sand bestreut. Das Werk ist deutlich geprägt von der sich bis heute in Betrieb befindenden Sandgrube, dem als öffentlicher Erholungsraum genutzten See sowie von natürlichen Prozessen wie Witterung, Grundwasserspiegel und Pflanzenwachstum.

Die Tatsache, dass das ,Earthworkʻ mit der Zeit natürliche entropische Veränderungen erfahren würde, gefiel Smithson. Dennoch sollte die Grundform erhalten bleiben, was den Künstler bereits
nach kurzer Zeit dazu veranlasste, erhaltende Maßnahmen zu ergreifen. Im Sommer 1972 wurde die Dammkonstruktion von Broken Circle längs des Uferrandes mit Holz befestigt. Der in einer Spirale verlaufende Hügelpfad des Spiral Hills wurde stabilisiert, der Hügel mit einem pflegeleichten Cotoneaster bepflanzt. Eine umfassende Restaurierung erfolgte in den 1980er Jahren, um das Fortbestehen der Arbeit zu sichern. Bis heute sorgt das die Sandgrube betreibende Unternehmen De Boer für die Instandhaltung der Arbeit. Für den zu Broken Circle/Spiral Hill geplanten Film formulierte Smithson zeichnerisch und schriftlich Ideen, dokumentierte in ersten Aufnahmen die aufwändigen Bauarbeiten. Detaillierte Storyboards, die er für einzelne Szenen anlegte, geben Auskunft über Positionen und Bewegungen der Kamera. Aus dem Flugzeug aufgenommene Sequenzen sollten die Formen der Skulptur in der Luft nachzeichnen. Die Fertigstellung des Films verzögerte sich allerdings und kam durch den frühen Unfalltod des Künstlers im Alter von nur 35 Jahren vollends zum Erliegen. Erst im vergangenen Jahr wurde der Film BREAKING GROUND: Broken Circle/Spiral Hill 1971–2011 von Nancy Holt und dem holländischen Kurator Theo Tegelaers fertig gestellt. Bei der Realisierung stützten
sie sich zu einem wesentlichen Teil auf vorhandene Überlegungen Smithsons, die dieser in detaillierten „movie treatments“ festgehalten hatte, sowie auf Nancy Holts Erinnerungen. Der Film veranschaulicht nicht nur den Entstehungsprozess der Landschaftsskulptur, sondern stellt gleichzeitig Bezüge zu verschiedenen geologischen und vorgeschichtlichen Thematiken her. Aufnahmen von Gletscherlandschaften, Hünengräbern der Region und der desaströsen holländischen Flutkatastrophe weisen auf Entropie, Strukturzerfall bzw. Umwandlungsprozesse hin. Originalmaterial von 1971 wird kombiniert mit dokumentarischen Archivbildern und Kameraaufnahmen von 2011, aufgezeichnet aus der Luft und vom See aus.
„Das Machen wie das Filmen der Arbeit haben sich gegenseitig durchdrungen“, so Smithson. „Natürlich braust das Wasser aus dem Film jetzt nicht mehr, trotzdem gibt es das spezielle Gefühl von parallelen Zeiten – sowohl im zeitlichen als auch im zeitlosen Sinn.“
Der Film ist als Fortsetzung der Skulptur zu verstehen – beide waren für ihn verschiedene Erscheinungsformen ein und desselben Werkes, die materiell jedoch nicht miteinander verkoppelt sind.

"Als Vektoren und Komponenten eines weitaus größeren Arrangements stellen beide [Film und Skulptur] dieselbe Idee auf unterschiedliche Art und Weise dar."

Während er die Landschaftssituation als ‚siteʻ bezeichnete, definierte er Film, wie auch andere, vor Ort gesammelte Materialien als ‚non-sitesʻ, die stellvertretend für den realen Ort stehen und auf den entropischen Zustand der Natur verweisen sollen. Mit diesem dialektischen Konzept von ‚siteʻ und ‚non-siteʻ entwickelte Smithson eine für die Land-Art relevante Theorie, die das Verhältnis von Außenraum und Galerie aufzeigt. Das filmische Medium sollte eine erweiterte Reflexion ermöglichen. Smithson begreift es als „Brücke zwischen den Disziplinen“, dessen Kraft darin liegt, eine Wahrnehmung von physischen Objekten aus verschiedenen Perspektiven zu generieren. Film trat immer stärker in den Vordergrund seiner Arbeit. Der Künstler sah in dem populären Medium das Potential, der Kunst zu stärkerer Relevanz in der Gesellschaft zu verhelfen.


Elisabeth Giers

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